Mit etwa 785,6 km² Landfläche ist New York flächenmäßig kleiner als unsere Hauptstadt Berlin mit etwa 891,85 km². Da trotzdem ein paar mehr Einwohner in der Stadt die niemals schläft leben - es sind etwas über 8 Millionen - könnte man meinen es geht deutlich enger zu. Dem ist allerdings nicht wirklich so - sieht man mal von den Touristen-Hotspots ab.


Gut eine Woche wollten wir in New York verbringen. Es sollte kein zwanghaftes Hetzen von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit werden - stattdessen nahmen wir uns die Zeit und verzichteten weitestgehend auf öffentliche Verkehrsmittel. So kamen immerhin um die siebzig Kilometer Fußweg zusammen. Dazu noch obendrauf: man sieht einfach mehr von der Stadt.

Oculus

Da uns die Übernachtungskosten in New York zu hoch waren, hatten wir uns dafür entschieden eine Bleibe etwas außerhalb der Stadt zu suchen. Nach etwas Hin und Her hatten wir via Airbnb ein kleines Apartment in Harrison gefunden. Von hier aus war es nicht weit bis nach Manhattan. Mit der PATH dauert es circa 20 Minuten bis man Downtown Manhattan erreicht: der Bahnhof liegt direkt am World Trade Center.

Das Bahnhofsgebäude selbst ist ein faszinierendes Gebilde. Es liegt fast komplett unter der Erde, nur eine Art Gerippe ist von oben sichtbar. Trotzdem erstrahlt der weiße italienische Marmor im hellen Tageslicht, die große Halle ist von Licht durchflutet. Und sie hat eine Besonderheit: einmal im Jahr - am 11. September - wird das Dach, The Wedge of Light, einen Spalt weit geöffnet. Zum Zeitpunkt des Fotos war genau das der Fall.

The Wedge of Light

WTC

Sobald man die Station verlässt und auf die Vesey Street hinaustritt, fällt der Blick auf das höchste Gebäude New Yorks, das One World Trade Center. Die Spitze des Gebäudes befindet sich in 1776 Fuß Höhe. Die Zahl soll an das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der USA erinnern. Für diejenigen die mit dem Maß-System der Amerikaner nicht vertraut sind, ein Fuß entspricht circa 0,3048006 m. Das Gebäude ist also 541,3248 m hoch. Von den Aussichtsetagen auf knapp 400m hat man dann auch eine ganz gute Aussicht über die Straßenzüge Manhattans und über die Bucht vor New York. Gut sichtbar ist am Horizont auch schon die Erdkrümmung. An dieser Stelle sollte eigentlich das Panorama zu sehen, das ich aus 42 Einzelbildern zusammengesetzt hatte. Aufgrund der Dateigröße bzw. Auflösung ist es allerdings nicht so ganz praktikabel, das Bild hier einzubinden. Zu gegebener Zeit werde ich es aber zugänglich machen.

At Halfmast

Errichtet wurde das 1WTC nahezu an der Stelle, an der vor 15 Jahren zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme (damals WTC 1 und 2) eingeschlagen sind. Es liegt damit in der Nachbarschaft des 9/11 Memorials. Dort wo einst die beiden Türme standen, befinden sich heute zwei tiefe Wasserbecken. Um die Becken herum sind die Namen aller Opfer der Katastrophe in die Brüstung eingraviert. An den jeweiligen Geburtstagen stecken die Mitarbeiter Blumen in die Namen, um dem Menschen zu Gedenken, der damals sein Leben verlor.

Remembrance

High Line

Das New York eine sehr lebendige Stadt ist, wird an wenigen Orten deutlicher als hier. Die High Line war früher eine Güterzugtrasse, die den Meatpacking District im westlichen Teil Manhattans erschloss. Heute hat sie sich komplett verwandelt. Eine Initiative von Freiwilligen hat dafür gesorgt, dass die Stadt hier etliche Millionen Dollar investiert. Nach ihrer Metamorphose ist die ehemalige Bahnlinie nun ein Park, der sich mehrere Kilometer weit über die Straßen New Yorks erstreckt.

Bei einem Spaziergang über die High Line kann man einiges entdecken. An vielen Stellen sind Kunstwerke zu finden, mal gut versteckt und mal ganz offensichtlich. Das Gleich gilt auch für die Schienen, die teilweise noch vorhanden sind und an manchen Stellen in den Weg mit einbezogen sind. Immer wieder begegnet man auch fliegenden Händlern, die hier ihre Waren feilbieten - meist kleine Snacks oder Eis. Ein kleiner Souvenirstand darf natürlich nicht fehlen, ein bisschen muss man den Touristen ja das Geld aus der Tasche ziehen. Aber immerhin kommt ein Teil der Einnahmen dem Erhalt des Parks zugute. Das Ende der High Line liegt an der 34th Street. Bevor man hier also den Park verlässt, hat man nochmal einen faszinierenden Blick auf eines der Depots der New Yorker U-Bahn. In der Sonne stehen hier die silbernen Züge der Subway in Reih und Glied, während sich im Hintergrund die Wolkenkratzer gen Himmel strecken.

Central Park

Deutlich größer als der High Line Park ist der Central Park. Mitten in Manhattan erstreckt sich New Yorks Ruheinsel über mehrere Blocks hinweg. Hier kann man sich treiben lassen und einfach den Wegen folgen, irgendwo kommt man schon vorbei, wo man etwas verweilen will. Man kann sich zum Beispiel nahe der Bethesda Fountain am The Lake niederlassen und den kleinen Schildkröten dabei zusehen, wie sie durchs Wasser paddeln und immer mal wieder den Kopf aus dem Wasser recken. Aber Vorsicht: die Kleinen sind ganz schön bissig! Ständig auf der Suche nach Futter sind auch die Eichhörnchen, die sich überall im Park herumtreiben. Wie viele Tiere in der Stadt sind sie nicht wirklich scheu und kommen auch schon mal auf Tuchfühlung - man könnte ja ein paar Nüsse für sie haben.

Brooklyn

Für Kaffeeliebhaber lohnt sich ein Abstecher nach Brooklyn. Direkt am East River gelegen findet man dort eine Filiale der Brooklyn Roasting Company. Holt man sich hier einen frisch zubereiteten Cappuccino, kann man diesen in Ruhe auf einer der Bänke vor dem Laden genießen und dabei seinen Blick über die Skyline von New York und über die beiden Brücken zwischen Manhattan und Brooklyn schweifen lassen. Wer den Weg hierher über die Brooklyn Bridge zurückgelegt hat, der hat sich den Kaffee übrigens auch redlich verdient. Denn ein Spaziergang ist das Überqueren der Brücke nicht wirklich: Horden von Touristen sind auf dem schmalen Fußgängerweg unterwegs, bewaffnet mit Selfie-Sticks, geifernd nach dem nächsten Selfie mit Schmollmund.

Carlo's Bakery

Unseren letzten Abend haben wir dann nicht in New York selber ausklingen lassen, sondern auf der anderen Seite des Hudson in Hoboken. Mit Blick auf die beleuchteten Hochhäuser der Metropole haben wir nochmal ordentlich gesündigt. In einer, gar nicht mehr so kleinen, Konditorei hatten wir uns mit Cupcakes und Cheesecakes versorgt, die wir an der Uferpromenade sitzend genossen.


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