103.000 km², ca. 330.000 Einwohner, das bedeutet nur etwa 3,2 Einwohner pro km² und damit fast unberührte Natur pur.


Sehr spontan ergab es sich, dass wir dieses Jahr im August ein paar Tage im zweitgrößten Inselstaat Europas verbracht haben. Geplant und gebucht haben wir die Reise erst knappe drei Wochen bevor wir uns auf den Weg in die nördlichste Hauptstadt der Welt gemacht haben.

Dass Island als Urlaubsziel stark im Trend liegt, merkt man bereits im offensichtlich ausgebuchten Flugzeug. Die Gepäckablagen sind bis zum Anschlag vollgestopft mit Wanderrucksäcken und warmen Jacken. Darunter sitzen unzählige Touristen, von denen ein großer Teil bereits das Rentenalter erreicht haben dürfte. Geschäftsreisende, die auf innerdeutschen oder Flügen innerhalb Europas überwiegen, sind dagegen kaum zu sehen.

Als der Flieger in München startet, es ist kurz nach halb Zehn, ist es bereits dunkel. In Reykjavík ist es ca. zwei Uhr morgens (vier Uhr deutscher Zeit) als wir in unserer Ferienwohnung ankommen - wirklich dunkel ist es aber hier trotzdem nicht, wie das schnell mit dem Smartphone gemachte Foto zeigt. An die Tatsache, dass die isländischen Nächte im Sommer eher kurz ausfallen, muss man sich erstmal gewöhnen.

Nacht?

Reykjavík

In Reykjavík selber leben in etwa 120.000 Einwohner. Selbst nach unseren Maßstäben gilt das eigentlich schon als Großstadt. Gefühlt ist es allerdings eher ein Dorf - wenn auch ein Dorf mit dem Charme einer gemütlichen Kleinstadt. Das gilt allerdings nicht, je später es wird. Denn dann wandelt sich das Bild und die zahlreichen Bars werden von Einheimischen und Touristen gleichermaßen bevölkert und es wird bis zum Morgengrauen gefeiert. Tagsüber herrscht dagegen eher eine ruhige und gemütliche Stimmung vor.

Hallgrímskirkja

Über der Stadt thront weithin sichtbar die Hallgrímskirkja - das größte Kirchengebäude Islands und gleichzeitig auch das zweithöchste Gebäude der Insel. Wer will, kann mit dem Fahrstuhl den 74 Meter hohen Turm hinauf fahren und von dort die Aussicht über die Stadt und deren Umgebung genießen. Zurück auf dem Boden der Tatsachen lassen sich von hier aus so ziemlich alle Sehenswürdigkeiten der Stadt zu Fuß erreichen (wie war das mit dem Dorf?). So führt ein Spaziergang den Besucher die Laugavegur entlang zur Harpa - dem Opern- und Konzerthaus Reykjavíks. Die Außenhülle dieses imposanten Gebäudes besteht aus dichroitischem Glas, das je nach Lichtverhältnissen und Betrachtungswinkel die Farbe wechselt.

Esja

Aber auch außerhalb Reykjavík gibt es einiges zu entdecken. In der näheren Umgebung ist der Hausberg Reykjavíks, der Esja, eines der interessantesten Ziele. Im Gegensatz zur Stadt ist es allerdings sinnvoll ordentliches Schuhwerk (sprich: Wanderschuhe) zu tragen, denn es geht hoch hinaus! Der höchste Punkt des Gebirgsmassivs erreicht 914 Meter. Die meisten Wanderwege führen jedoch zum Þverfellshorn, das auf "nur" etwa 800 Metern Höhe liegt. Von hier hat man dennoch eine grandiose Aussicht bis weit über Reykjavík hinaus. Wer den Gipfel erreichen möchte sollte gut zu Fuß sein. Bis zum Steinn sind die Wege gut zu meistern, danach wird es jedoch um einiges anspruchsvoller. Bei schlechtem Wetter hätte ich die letzten Meter nicht unbedingt angetreten, da es ab hier sehr steil und wirklich unwegsam ist. Davon zeugen auch die Seile, die am Felsen angebracht sind und als Kletterhilfe dienen sollen. Allerdings hatte ich sehr viel Glück und konnte den Weg nach oben bei strahlendem Sonnenschein und knapp 18°C genießen. 

Esja - Reykjavík

Gullni hringurinn

Der Golden Circle ist wohl eine der berühmtesten touristischen Routen Islands. Auf ihr liegen Þingvellir, das Geothermalgebiet Haukadalur und der Wasserfall Gullfoss, von dessen Name „goldner Wasserfall“ sich die Bezeichnung der Route ableitet. 

Um den großen Teil der Touristenströme zu vermeiden, starteten wir mit unserer Tour erst am frühen Nachmittag. Da es auf Island zu dieser Jahreszeit noch immer sehr lang hell ist, konnten wir uns trotz des späten Starts viel Zeit lassen. An allen drei Orten, die wir besuchten, war vor allem eins immer sehr gut sichtbar: die gewaltigen Kräfte der Natur!

Þingvellir, wo früher einmal jährlich die traditionelle gesetzgebende Versammlung, das Alþing, abgehalten und im Jahr 1000 die Annahme des Christentums beschlossen wurde, liegt genau in einer Grabenbruchzone. Hier ist das Auseinanderdriften der europäischen und der amerikanischen tektonischen Platten eindrucksvoll sichtbar. Der Weg zur Aussichtsplattform führt durch eine tiefe Felsspalte, die im Laufe der Jahrzehnte hier entstanden ist.

Der nächste Halt unserer Tour war das Geothermalgebiet Haukadalur. Der Geruch von Schwefel ist hier bereits vom Parkplatz aus wahrnehmbar und wird immer stärker, je näher man den heißen Quellen kommt. Das Wasser das hier aus der Erde kommt ist bis zu 100°C heiß - die Absperrungen wurden also nicht ohne Grund aufgestellt. Doch trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen kommt man sehr nah an das eigentliche Highlight dieses Ortes heran: den Strokkur. Im Abstand von knapp 10 Minuten spuckt dieser Geysir kochendes Wasser senkrecht in die Luft - bis zu 35 Meter hoch!  Direkt daneben liegt übrigens der Namensgeber aller Geysire: der Große Geysir. Ein Ausbruch ist allerdings selten, da dies nur nach Erdbeben vorkommt.

Unser letzter Stop war der Gullfoss. Dieser Wasserfall ist nicht der höchste oder größte der Insel, er gehört allerdings trotzdem zu den imposantesten seiner Art. Die gewaltigen Wassermassen stürzen hier in zwei Kaskaden insgesamt 32 Meter in die Tiefe und ihr Rauschen dröhnt ununterbrochen.  Über einen kleinen Pfad gelangt man bis in die Mitte der beiden Stufen, wo man sich bewusst wird, dass der Mensch gegen solche Kräfte nicht viel ausrichten kann. 

Vom Parkplatz aus ist übrigens ein weiteres Naturphänomen zu sehen: der Langjökull, einer der großen Gletscher Islands. Aber diesen haben wir nicht mehr besucht, man braucht ja schließlich einen Grund um nochmal wieder zu kommen. 


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